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Emotionales Essen und Essanfälle – mögliche Ursachen und Behandlungsansätze (Teil II)

Was ist nun der gesunde Weg, aus dem Teufelskreis von emotionalem Essen und Essanfällen auszusteigen? In diesem zweiten Teil (Teil I hier lesen) möchte ich mögliche Themen und Strategien aufzeigen, die sich in meiner Arbeit mit Klienten bewähren – sie sind KEIN Patentrezept und lassen sich in ihrer Komplexität und vor allem praktischen Methodik nicht in einem einzelnen Blogbeitrag darstellen. Vielmehr sollen sie eine Idee vermitteln, wo sich Ansatzpunkte finden lassen für den am Ende doch ganz individuellen Weg aus Emotionalem Essen und Essanfällen.

Künstlerische Darstellung des autonomen Nervensystems, das in leuchtenden Farben dargestellt ist und seine weitreichenden Verbindungen durch den menschlichen Körper zeigt.

Zuerst noch eine schlechte Nachricht: es gibt keinen Quick Fix, um Emotionales Essen und Essanfälle loszuwerden – zumindest keinen nachhaltigen. Nicht selten kommen Menschen zu mir in die Praxis, die „alles schon versucht“ haben und bei denen „nichtmal Hypnose geholfen hat“. Die Frustration ist entsprechend hoch, die Hoffnung auf Veränderung oft nur noch klein. Gerade wenn der Leidensdruck hoch ist, sind wir ungeduldig mit uns und wollen möglichst schnelle Veränderung – verständlich. Doch besonders dann sind Ruhe und Geduld essentiell. Denn: sich Zeit für sich selbst zu nehmen als höchste Form der Selbstfürsorge ebnet den Weg für das Loslassen alter Muster und Veränderung auf einer tieferen Ebene.


Den Selbstwert stärken & den Druck rausnehmen – mögliche Fragen und Ansätze:


1. Dem Ursprung der Selbstzweifel auf den Grund gehen: welche Annahmen und Glaubenssätze über Dich begleiten Dich im Alltag? Zu welchem Zeitpunkt in deinem Leben sind sie entstanden? Wir dürfen anfangen, diese Glaubenssätze, die wir meist schon viel zu lange als wahr angenommen haben, zu hinterfragen und loszulassen bzw. neu zu formulieren.

2. Deinem inneren Kind begegnen: welche Bedürfnisse blieben in Deiner Kindheit unerfüllt, wo hast du Dich ungesehen oder unverstanden gefühlt? Welchen Mangel hast du mit ins Erwachsenenalter genommen, weil er noch immer schmerzt? Und welche Funktion erfüllt in diesem Kontext das Essen?


3. Mitgefühl für Dich selbst entwickeln und Selbstfürsorge etablieren: Du darfst wieder weicher mit Dir werden – du musst nicht perfekt sein und alles schaffen. Den inneren Kritiker dürfen wir anerkennen (er meint es gut mit uns), ihn dann aber entkräften, indem wir eine neue liebevolle Instanz in uns entwickeln und in den Dialog treten lassen


4. Deine Identität stärken: Wer bist Du neben deiner äußeren Erscheinung noch? Was sind Deine Fähigkeiten, Stärken und Werte? Was macht Dich zu einem guten Menschen? Was willst du vom Leben?


5. Deinen Körper wieder erLEBEN: in Kontakt kommen, verzeihen, ihn spüren, bewundern, versorgen, ein neues Körperbewusstsein entwickeln - wieder ein Team werden mit Deinem Körper


6. Essen neu betrachten: Genuss wieder erlauben, Verbote & Regeln hinterfragen, Kompromisse schließen, Routinen entwickeln; Gesundheit als höchste Priorität setzen


Künstlerische Interpretation des autonomen Nervensystems, symbolisiert durch pulsierende Wellen, die die ständige Kommunikation und Regulierung im menschlichen Körper darstellen.

Die Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems verbessern – mögliche Ansätze:


1. Das autonome Nervensystem als Steuerzentrale für unsere Stress- und Emotionsregulation kennenlernen und erforschen: Wie fühlen sich Stress und Spannung an? Wie echte Entspannung? Lerne die Signale deines Nervensystems zu erkennen


2. Beobachter werden: wann esse ich und warum? Stressoren und Trigger erkennen und verstehen; Essen als Verhaltensmuster zur Regulation anerkennen und es für seinen bisherigen hilfreichen Dienst wertschätzen


3. Sicherheit im Körper schaffen: über Atmung, Berührung und Bewegung Kapazitäten und Resilienz in uns schaffen


4. Emotionsregulation stärken: Emotionen wieder halten können, ohne überwältigt zu werden; ihnen Raum zum Ausdruck geben, die Bedürfnisse dahinter erkennen


5. Ressourcenarbeit: erlange Bewusstsein über deine Ressourcen; Pause zwischen Reiz und Reaktion schaffen; Alternativen zum Essen etablieren


Am Ende geht es nicht darum, Emotionales Essen und Essanfälle als unliebsame Verhaltensmuster „wegzumachen“ – sondern darum, in uns selbst so viel Sicherheit zu schaffen, dass wir es als Werkzeug einfach nicht mehr brauchen. Wenn Essen in erster Linie wieder dem Zweck dienen darf, unseren Körper zu nähren, uns Energie und Kraft zu geben und sinnlicher Genuss zu sein – dann gewinnen wir eine ganz neue Freiheit im Leben.


Du wünschst Dir professionelle und liebevolle Begleitung auf deinem Weg raus aus Emotionalem Essverhalten und Essanfällen? Nimm gern Kontakt zu mir auf und wir schauen bei einem unverbindlichen und kostenlosen telefonischen Kennenlernen, ob es passt.


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